Adresse des Gedenkortes
Bahnhof Asperg
71679 Asperg
Bundesrepublik Deutschland
Karte anzeigen

Asperg, Bahnhof

Gedenken an die Opfer aus Südwestdeutschland, die 1940 in Asperg gesammelt und dann in Konzentrationslager verschleppt wurden.

Vollansicht
Einweihung

Vollansicht
Kranzniederlegung

Vollansicht
Gedenktafel

Einweihung

16.05.1995


Inschrift

"Zum Gedenken an die Sinti und Roma, die dem Völkermord im Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Im Mai 1940 war Asperg die Sammelstelle für mehrere Hundert Deutsche Sinti und Roma aus Südwestdeutschland, die von hier familienweise in die Konzentrationslager verschleppt und ermordet wurden."


Initiator(en)

Landesverband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg, Stadt Asperg


Künstler

Bildhauer Josef Reinhardt


Beschreibung

Sandsteinrelief von verzweifelten Familien mit darunter befindlicher Inschrift.


Entstehung

Ilona Lagrene, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg, schlug 1993 der Stadt Asperg vor, an die Massendeportationen während der NS-Zeit, mit einem mahnenden Zeichen, zu erinnern. Die Stadt schlug eine Gedenktafel auf dem Gefangenenfriedhof vor, doch weil dieser Ort keinerlei Beziehung zu den rassistisch verfolgten Sinti hat, lehnte der Landesverband ab. Im Frühjahr 1994 erfolgte die Anfrage, auf die Anbringung einer Gedenktafel am Bahnhof in Asperg, bei der Bahn AG.
Fast zwei Jahre lang hatten Sinti und Roma gemeinsam mit der Stadt darum gekämpft, dass die Gedenktafel am Eingang zum Bahnhofsgebäude angebracht werden darf. Erst nach einer Intervention des Verkehrsministers und Ludwigsburger Bundestagsabgeordneten Matthias Wissmann gab die Bahn AG in Frankfurt 1995 die Genehmigung.
Am Tag der Einweihung legten 50 Sinti und Roma, darunter einige Überlebende des ehemaligen Transportes, noch einmal zu Fuß den Weg vom Hohenasperg hinunter zum Bahnhof zurück, um daran zu erinnern, dass die Verschleppung vor den Augen der Stadtbewohner stattgefunden hatte. Es wurden Kränze niedergelegt und die Landesvorsitzende der Sinti und Roma, Ilona Lagrene, enthüllte gemeinsam mit Bürgermeister Ulrich Storer die Gedenktafel.


Hintergrund

Am 16. Mai 1940 waren mehrere Hundert Sinti und Roma aus ganz Südwestdeutschland auf den Hohenasperg verschleppt und anschließend, am 22. Mai, vom Asperger Bahnhof aus in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert worden. Dies war die erste groß angelegte Deportation von Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus.


Literatur

Puvogel, Ulrike/Stankowski, Martin: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, 2., überarb. und erw. Auflg., Band I, Bonn 1995, S. 20-21.