Adresse des Gedenkortes
Kinderheim St. Josefspflege
Unterer Bach
74673 Mulfingen
Bundesrepublik Deutschland
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Mulfingen, Unterer Bach

In Gedenken an die 39 Mulfinger Kinder, die aus dem Heim nach Auschwitz deportiert wurden.

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Einweihung

Juni 1984


Inschrift

"Aus der Gemeinschaft dieses Heimes wurden am 9. Mai 1944 die hier lebenden 39 Sinti-Kinder herausgerissen und in das KZ Auschwitz deportiert – nur 4 Kinder überlebten.

Zur Erinnerung an die Opfer."

Es folgen die Namen der Kinder.


Entstehung

Der oben genannte Text der Gedenktafel stand schon vorher an einer Wand im Innern des Hauses. Nach Renovierungsarbeiten wurde die Gedenktafel außen am Gebäude selbst angebracht.


Hintergrund

Nach Erlass des Württembergischen Innenministeriums vom 7. November 1938 wurden schulpflichtige "Zigeunerkinder" und "zigeunerähnliche Kinder" aus verschiedenen württembergischen Kinder- und Erziehungsheimen herausgenommen und in das Heim St. Josefspflege in Mulfingen eingewiesen.
Eva Justin, Mitarbeiterin des 1938 in das Reichsgesundheitsamt nach Berlin-Dahlem berufenen und mit Aufbau und Leitung einer "Rassenhygienischen und bevölkerungsbiologischen Forschungsstelle" beauftragten Dr. Robert Ritter, führte an den "Zigeunerkindern" in Mulfingen Untersuchungen durch, deren Ergebnisse sie Ende 1944 unter dem Titel "Lebensschicksale artfremd erzogener Zigeunerkinder und ihrer Nachkommen" veröffentlichte. Sie hatte Dr. Ritter, Oberartz in der Kinderabteilung der Universitätsnervenklinik Tübingen, auch unterstützt bei seinen im Auftrag des Reichsgesundheitsamtes durchgeführten erbwissenschaftlichen Untersuchungen in Südwestdeutschland im Zusammenhang mit "Zigeunermischlingen usw.". Das Ergebnis dieser Arbeiten wurde 1937 unter dem Titel "Ein Menschenschlag - ärztliche und erbgesundheitliche Untersuchungen über die durch zehn Geschlechterfolgen erforschten Nachkommen von "Vagabunden, Jaunern und Räubern" veröffentlicht.


Literatur

Puvogel, Ulrike/Stankowski, Martin: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, 2., überarb. und erw. Auflg., Band I, Bonn 1995, S. 63-64.