Adresse des Gedenkortes
im Park am Fürstenwall
Hegelstraße
39104 Magdeburg
Bundesrepublik Deutschland
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Magdeburg, Hegelstraße

Ein "Denkstein"- Mahnmal mit einer Tafel für die 470 deportierten Sinti und Roma Magdeburgs.

Vollansicht

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Einweihung

29.10.1998


Inschrift

Denkmal:
"Zum Gedenken an die von 1933 bis 1945 verfolgten und ermordeten Magdeburger Sinti und Roma. Sie wurden Opfer des Völkermordes in Auschwitz und in anderen Vernichtungslagern."

Grab:
"Wilhelm Rose, geb. 27.4.1882, ermordet 24.2.1942
Fritz Rose, geb. 30.11.1919, ermordet 20.6.1942
Emil Rose, geb. 15.4.1922, ermordet 20.6.1942"


Initiator(en)

Stadt Magdeburg, Land Sachsen-Anhalt, Zentralrat der Sinti und Roma


Künstler

Wolfgang Roßdeutscher

geb.: 1945 in Magdeburg

Deutscher Steinmetz und Steinbildhauer


Beschreibung

Beton-Grundplatte von 7,00 x 6,50 Meter. Aus dieser Grundplatte ragt ein Stumpf eines weißen Marmorblocks von 50 x 50 cm Stärke und etwa 1,50 m Höhe. In der Mitte der Grundplatte befindet sich ein Edelstahlprisma, von dem aus die Grundplatte durch Spalten in sechs Teile geteilt ist. Der abgebrochene Teil des Marmorblocks von etwa fünf Meter Länge liegt mit dem einen Ende über der scharfkantigen Seite des Edelstahlprismas.
Vorne links, vor dem Rest des Marmorblocks befindet sich auf der Grundplatte eine Schrifttafel aus weißem Marmor mit oben genannter Inschrift.

Der Künstler, Wolfgang Roßdeutscher, deutet das Denkmal folgendermaßen:
"Der Steinblock steht für eine intakte und stabile Familiengemeinschaft. Dieser Block wird durch Gewalteinwirkung umgestoßen und ein Stück bricht ab. Dieser Bruch tief verwurzelter Familienstrukturen bedeutet nicht nur die Zerstörung von Familien. Die Lebenskultur und das Lebensgefühl als deutsche Sinti und Roma werden vernichtet. Der Bruch steht auch für die Ermordung vieler einzelner Menschen. Der abgeschlagene Teil des Blockes bei aller Verletzung und Beschädigung birgt doch einen Funken Hoffnung in sich. Das Denkmal symbolisiert den Völkermord, die Vernichtung in den Konzentrationslagern der Nazis ebenso wie die zaghafte aufkeimende Hoffnung in floraler Symbolik."


Entstehung

Der damalige Rat des Bezirkes beauftragte in den 80er Jahren Künstler der Region mit der Erarbeitung eines Denkmalentwurfes.
1990 lagen Vorschläge für ein Denkmal vom Magdeburger Bildhauer Wolfgang Roßdeutscher vor, die nun das Regierungspräsidium aufgrund veränderter Zuständigkeiten nicht weiterführte. Nunmehr war die Landeshauptstadt zuständig und übernahm die Regie des Vorhabens.
Am 29.06.1998 übermittelte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma den endgültigen Text der Steinplatte.
Die Einweihung des Denkmals erfolgte in einer feierlichen Gedenkstunde.
Nach der Enthüllung des Denkmals wurden über 300 kleine Urnensteine mit Namen und Todesdaten von deportierten Magdeburgern Sinti und Roma auf der Grundplatte abgelegt. Die Urnensteine befinden sich nun im Magdeburger Dom.


Hintergrund

470 Männer, Frauen und Kinder wurden am 1. März 1943 aus Magdeburg in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert.

Das Denkmal und das Grab von Familie Rose auf dem Neustädter Friedhof, Lübecker Straße, erinnern an die Grausamkeiten, die während der NS-Zeit an den Volksgruppen der Sinti und Roma geschah.

Einer allgemeinen Zigeunererfassung in Magdeburg vom 25. bis 27. Oktober 1939 zufolge wohnte Familie Rose in dem ihnen zugewiesenen "Zigeunerlager" am Holzweg im Stadtteil Neue Neustadt. Dieses Lager wurde im März 1943 aufgelöst und die Insassen nach Auschwitz verfrachtet.