Adresse des Gedenkortes
Rathausvorplatz, Haupteingang
50667 Köln
Bundesrepublik Deutschland
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Köln, Rathausvorplatz

Ein Stolperstein soll an den Mordbefehl Heinrich Himmlers erinnern.

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Einweihung

16.12.1992


Inschrift

"Auf Befehl des Reichsführers-SS vom 16.12.1942 – Tgb. Nr. I 2652/42 Ad./RF/V, - sind Zigeunermischlinge, Rom-Zigeuner und nicht deutschblutige Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft nach bestimmten Richtlinien auszuwählen und in einer Aktion von wenigen Wochen in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dieser Personenkreis wird im Nachstehenden kurz als 'zigeunerische Personen' bezeichnet. Die Einweisung erfolgt ohne Rücksicht auf den Mischlingsgrad familienweise in das Konzentrationslager (Zigeunerlager) Auschwitz."


Künstler

Gunter Demnig

geb.: 1947 in Berlin

In Köln lebender Künstler, der besonders durch seine Aktion "Stolpersteine" bekannt geworden ist.


Beschreibung

Betonstein mit verankerter Messingplatte. Schrift mit Schlagbuchstaben eingehämmert. Auf der Messingplatte ist der Anfangstext des Mordbefehls Heinrich Himmlers zu lesen (siehe Inschrift).


Entstehung

Der Künstler Gunter Demnig rekonstruierte die ehemaligen Wohnorte der Deportierten. Vor den jeweiligen Adressen werden die STOLPERSTEINE plano in den Bürgersteig auf Dauer eingesetzt.


Hintergrund

Schon vor der nationalsozialistischen Machtübernahme versuchten Kölner Behörden, Sinti und Roma aus ihrem Bezirk zu vertreiben, die Berufsausübung zu verhindern und das Umherziehen zu unterbinden. So gab es schon früh eine abgesonderte "Zigeunerschulklasse", ein "Zigeunerlager" und eine kriminalpolizeiliche "Zigeunerdienststelle". Bereits 1933 wurden Zigeuner in dem bei Köln gelegenen KZ Brauweiler inhaftiert, am Mai 1935 alle auf dem Kölner Stadtgebiet stehenden Wohnwagen von Sinti und Roma in das "Zigeunerlager" Bickendorf am damaligen Sportplatz "Schwarz-Weiß-Köln" zwangseingewiesen. Das Lager war mit Stacheldraht umzäunt und wurde von bewaffneten SS-Posten kontrolliert. Dieses war das erste kommunale "Zigeunerlager" im Deutschen Reich und Muster für andere Großstädte. Nach dem Verbot des Wohnortwechsels durch den Reichsführer-SS Himmler im Oktober 1939 wurden im Mai 1940 in drei großen Sammellagern in Hamburg, Hohenasperg bei Stuttgart, sowie in Köln über 2.500 Sinti und Roma zusammengebracht und in das Generalgouvernement Polen verschleppt. Das war der erste Transport; andere mit insgesamt 30.000 Menschen folgten. Diese Erfahrungen wurden von den NS-Behörden für die spätere Massendeportation der Juden verwertet.


Literatur

Puvogel, Ulrike/Stankowski, Martin: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, 2., überarb. und erw. Auflg., Band I, Bonn 1995, S. 572.