Adresse des Gedenkortes
Johann-Trollmann-Weg
30159 Hannover
Bundesrepublik Deutschland
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Hannover, Johann-Trollmann-Weg

Mit einer Straßenbenennung würdigte die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover die sportlichen Leistungen des von den Nationalsozialisten ermordeten Boxers Johann Trollman.

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Straßenschild

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Johann (Rukelie) Trollmann mit dem Gürtel eines Norddeutschen Meisters im Jahr 1928

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Auszug aus dem Totenbuch des KZ Neuengamme (Quelle: KZ-Gedenkstätte Neuengamme)

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Straßenbenennung am 24. August 2004

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Angehörige der Familie Trollmann

Einweihung

24.08.2004


Inschrift

"Johann-Trollmann-Weg
Johann Trollmann (27.12.1907 – 09.02.1943 KZ Neuengamme), Boxsportler, 2003 Anerkennung des 1933 nicht zuerkannten Titels als deutscher Meister im Halbschwergewicht"


Initiator(en)

Fraktionen im Rat der Landeshauptstadt Hannover


Beschreibung

Straßenschild mit Unterschild.


Entstehung

Am 26. Februar 2004 wurde im Rat der Landeshauptstadt Hannover ein interfraktioneller Antrag zur Umbenennung des Fußweges "Tiefental" in "Johann-Trollmann-Weg" formuliert. Am 6. April 2004 stimmte der Stadtrat dem Antrag zu.

In der Begründung heißt es (Beschlussdrucksache 0736/2004): "Mit der Benennung der Wegeverbindung soll an den Boxsportler, Herrn Johann Trollmann, geboren am 27.12.1907 in Hannover, verstorben am 09.02.1943 im KZ Neuengamme, erinnert werden. [...] Mit der Benennung der Wegeverbindung soll Herr Trollmann in unmittelbarer Nähe zu seinem damaligen Wohnort - Tiefental 5 - geehrt werden."


Hintergrund

Kurzbiografie von Johann Trollmann

1907 - geboren am 27. Dezember 1907 in Wilsche bei Gifthorn/Niedersachsen
1928 - Boxer der Mittelgewichtsklasse, Anwärter auf einen Platz im Olympiateam
1929 - Wechsel ins Profilager
1932 - von 19 Boxkämpfen gewinnt Johann Trollmann 12, vier davon durch "k.o.", er gilt als einer der besten Boxer der Mittelgewichtsklasse
März 1933 - Erich Seelig (Deutscher Meister im Halbschwergewicht) wird vom Boxverband der Titel aberkannt. Dafür gibt es nur einen einzigen Grund: Er ist Jude. Einer der um den Titel boxenden Favoriten ist Johann Trollmann.
9. Juni 1933 - Titelkampf Johann Trollmann gegen Adolf Witt. Trollmanns Fans setzen sich gegen den Boxverband durch: Johann Trollmann wird Deutscher Meister. Acht Tage später wird ihm der Titel jedoch aberkannt. Es beginnt eine rassistische Kampagne gegen den "Zigeuner", der "nach Zigeunerart" geboxt haben soll.
21. Juli 1933 - Trollmanns gespenstischer Kampf gegen Gustav Eder mit kurz vor Beginn blond gefärbten Haaren. Er kämpft auf "arische Art", weicht Schlägen des Gegners nicht aus und verliert bewusst.
1935 - Das "Reichsbürgergesetz zum Schutz des deutschen Blutes" wird erlassen. Johann Trollmann taucht unter. Zwei seiner Brüder werden deportiert, sein jüngster Bruder schneidet sich aus Verzweiflung die Pulsadern auf, überlebt, wird aber anschließend in ein Konzentrationslager deportiert.
1938 - Internierung in einem Arbeitslager in Hannover-Ahlem
1939 - Einberufung zum "Infanterieregiment 17" in Braunschweig
1941 - Verwundung an der Ostfront
1942 - Im Haus seines Bruders von der Gestapo verhaftet und auf dem Polizeipräsidium in Hannover brutal zusammengeschlagen, kommt Johann Trollmann in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg. Dort muss er schwere Zwangsarbeit leisten. Bei "SS-Festen" muss er - völlig ausgehungert - gegen seine Bewacher boxen und verlieren.
9. Februar 1943 - Ermordung im Konzentrationslager Neuengamme - offizielle Todesursache "Lungenentzündung"
2003 - Der Bund Deutscher Berufsboxer hat Johann Trollmann nachträglich zum Deutschen Meister im Halbschwergewicht von 1933 erklärt.




Linkhinweise

Internetseite der Familie Trollmann: http://www.johann-trollmann.de

Artikel über Johann Trollmann auf BoxingPress: http://www.boxingpress.de/bp-inside-trollmann-spezial.htm

Artikel des AC Einigkeit: http://www.ac-einigkeit.de/boxgesch16.htm


Literatur

Hans Firzlaff: Knock-out. Das Leben des deutschen Sinti-Boxers Rukelie Trollmann aus der hannoverschen Altstadt. 2. Aufl., Hannover 1997.

Knud Kohr/Martin Krauß: Kampftage – Die Geschichte des deutschen Berufsboxens, Göttingen, 2000.

Michail Krausnick: Wo sind sie hingekommen? Der unterschlagene Völkermord an den Sinti und Roma, Gerlingen 1995, S. 73–79.

Roger Repplinger: Leg dich, Zigeuner. Die Geschichte von Johann Trollmann und Tull Harder, München 2008.


Dokumente