Adresse des Gedenkortes
Straße der Nationen
16798 Fürstenberg
Bundesrepublik Deutschland
Karte anzeigen

Fürstenberg, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Gedenkraum für ermordete Sinti und Roma.

Vollansicht

Vollansicht

Vollansicht

Einweihung

25.03.1995


Inschrift

"In Ehrfurcht und Trauer gedenken wir Sinti und Roma unserer Mütter, Frauen und Kinder, die im Konzentrationslager Ravensbrück von der SS ermordet wurden. Wir gedenken auch all unserer Menschen, die im gesamten Einflussbereich des Nationalsozialismus Opfer des NS-Völkermords wurden."


Beschreibung

Links vom Eingang befinden sich drei Gedenktafeln aus Kupfer, auf denen die oben genannte Inschrift in Deutsch, Englisch und Romanes angebracht ist.
In der Mitte befinden sich zwei Glasvitrinen mit einem aufgeschlagenen Gedenkbuch und der Transportliste von Auschwitz nach Ravensbrück. Dahinter ist auf einer Tafel ein Überblick über die Chronologie des nationalsozialistischen Völkermordprogramms zu lesen. Auf der rechten Seite des Raumes besteht die Möglichkeit für einzelne Familien an ihre ermordeten Angehörigen, durch kleinere, individuelle Gedenktafeln, zu erinnern.


Hintergrund

Nördlich von Berlin eröffneten die Nationalsozialisten im Mai 1939 im Ortsteil Ravensbrück der Gemeinde Fürstenberg ein Konzentrationslager, das hauptsächlich für weibliche Häftlinge gedacht war. Bis zur Befreiung durch sowjetische Truppen Ende April 1945 sind von den insgesamt etwa 132.000 weiblichen und 20.000 männlichen Häftlingen mindestens 30.000 gewaltsam ums Leben gekommen.

Den Bau des KZ Ravensbrück mussten Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen um die Jahreswende 1938/39 ausführen. Die ersten weiblichen Häftlinge trafen im Frühjahr 1939 ein. Die meisten von ihnen waren Bibelforscherinnen, die zuvor im KZ Lichtenburg inhaftiert waren. Im Juni 1939 deportierte die SS die ersten 440 Sinti-Frauen mit ihren Kindern nach Ravensbrück. Keines der Kinder überlebte die KZ-Haft. Dem Frauen-KZ wurde im April 1941 ein kleineres Männerlager angegliedert. Im März 1942 fanden Deportationen von Jüdinnen und Sinti- und Roma-Frauen zur Vernichtung nach Auschwitz und Lublin-Majdanek statt.

Die Lagerhaft stand im Zeichen der Ausbeutung der Arbeitskraft der inhaftierten Frauen. Vorwiegend mussten sie in SS-eigenen Betrieben der Textil- und Lederverarbeitung Zwangsarbeit leisten. Auch schwangere Frauen waren davon nicht ausgenommen. Ab 1942 rückte die Arbeit für die Kriegsproduktion in den Vordergrund. Es entstanden etwa 70 Außenlager und große Betriebe in unmittelbarer Nähe zum KZ Ravensbrück. Zur selben Zeit begannen SS-Ärzte, in Ravensbrück medizinische Versuche an den Häftlingen durchzuführen. An Sinti- und Roma-Kindern erprobte der aus Auschwitz kommende SS-Arzt Schumann meist tödlich endende Sterilisationsmethoden mit Röntgenstrahlen. Anfang 1945 wurde in Ravensbrück eine Gaskammer eingerichtet, in der noch über 1.500 meist alte und kranke Häftlinge ermordet wurden.

Mit der Evakuierung der frontnahen Konzentrationslager im Osten stieg die Anzahl der Häftlinge in Ravensbrück sprunghaft an. Mit über 50.000 Häftlingen war das KZ im Januar 1945 hoffnungslos überfüllt. Kurz vor dem Eintreffen der sowjetischen Truppen im April 1945 begann die SS, die Häftlinge von Ravensbrück auf "Todesmärsche" in nordwestlicher Richtung zu schicken. Am Tag der Befreiung fanden die Soldaten der Roten Armee nur noch ca. 3.500 Kranke und Kinder im Lager vor.


Literatur

Endlich, Stefanie/Goldenbogen, Nora/u. a.: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band II, Bonn 1999, S. 271-275.