Adresse des Gedenkortes
Jean-Dolidier-Weg 75
21039 Hamburg
Bundesrepublik Deutschland
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Hamburg, KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Zum Gedenken an die im KZ-Neuengamme Umgekommenen, darunter auch Roma.

Inschrift

Stele:
"Euer Leiden, Euer Kampf und Euer Tod sollen nicht vergebens sein!"

Letzte Gedenkplatte:
"Und die Toten anderer Völker und Nationen"

Mauer:
"Gedenkstätte Neuengamme

In den Jahren 1938 bis 1945 litten hier und in den Außenkommandos des Konzentrationslagers Neuengamme 106 000 Menschen. Von ihnen wurden 55 000 Männer, Frauen und Kinder aus vielen Nationen durch die Nationalsozialisten getötet."

Es folgen Namen von 67 Außenkommandos.


Beschreibung

Eine 27 Meter hohe Stele aus grauen Quadersteinen, Symbol für das Krematorium, trägt die oben genannte Inschrift.
Die Stele wird flankiert von einer Ehrenmauer, vor der insgesamt 18 Steinplatten liegen mit den Namen der Völker und Nationen, die Opfer unter den Häftlingen von Neuengamme zu beklagen haben. Darunter wird, wohl zum ersten Mal öffentlich in Deutschland genannt, auch an die "Roma" erinnert.
Vor der Mauer und der Stele liegt eine Bronzeskulptur ("Sterbender Häftling") der französischen Bildhauerin Francoise Salmon.


Entstehung

Zurückgehend auf eine Initiative ehemaliger französischer Häftlinge wurde 1953 ein erstes Mahnmal in Neuengamme errichtet: eine schlichte Säule ohne Inschrift.
Am 7. November 1965 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme eine Gedenkstätte der Öffentlichkeit übergeben. Sie entstand in Zusammenarbeit mit der 1958 gegründeten "Amicale Internationale de Neuengamme" (Lagergemeinschaft ehemaliger KZ-Gefangener) und dem Hamburger Senat. 16 Jahre später, am 18. Oktober 1981, wurde ein Dokumentenhaus eröffnet.


Hintergrund

Südöstlich von Hamburg errichtete die SS im Spätjahr 1938 bei der Ortschaft Neuengamme ein Konzentrationslager, das zunächst als Außenkommando des KZ Sachsenhausen geführt wurde. Am 4.6.1940 erhielt Neuengamme den Status eines eigenständigen Konzentrationslagers. Bis zur Räumung des Lagers im April 1945 waren Schätzungen zufolge von den mehr als 100.000 Häftlingen, die aus dem Reich und dem ganzen besetzten Europa nach Neuengamme verschleppt wurden, über 50.000 nicht mehr am Leben.

Die Wahl des Standortes fiel auf Neuengamme, da dort ein altes Klinkerwerk, das dem SS-eigenen Unternehmen "Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH" gehörte, wieder in Betrieb genommen werden sollte. Mit den Klinkersteinen beabsichtigten die Nationalsozialisten, ihre geplanten Repräsentativbauten in Hamburg zu verkleiden. Darüber hinaus schloss die SS im Frühjahr 1940 einen Vertrag mit der Stadt Hamburg, der Kanalarbeiten an der Elbe und Hafenausbauten durch den Einsatz der Häftlinge des KZ Neuengamme vorsah. Nach der Übernahme der Konzentrationslager durch das "Wirtschaftsverwaltungshauptamt" der SS Anfang 1942 rückte die Nutzung der Häftlinge als Arbeitskräfte für die Rüstungsindustrie immer mehr in den Vordergrund. In den letzten Kriegsjahren entstanden an den Produktionsstätten kriegswichtiger Güter in ganz Norddeutschland mehr als 70 Außen- und Nebenlager des KZ Neuengamme.

Die harten Arbeitsbedingungen, ungenügende Ernährung, mangelnde medizinische Versorgung und die Behandlung durch die SS-Wachmannschaften forderten Tausende von Todesopfern. Von der SS als arbeitsunfähig eingestufte Häftlinge wurden ermordet. Neuengamme diente zudem als Hinrichtungsstätte für Tausende von zumeist sowjetischen Kriegsgefangenen. Ab Herbst 1944 unternahmen SS-Ärzte an den Gefangenen medizinische Versuche.

Im Frühjahr 1945 begann die SS angesichts der herannahenden britischen Truppen damit, das KZ Neuengamme zu evakuieren und schickten die überlebenden Häftlinge auf so genannte "Todesmärsche". Die letzten Gefangenen wurden Ende April 1945 nach Lübeck verschleppt.


Literatur

Puvogel, Ulrike/Stankowski, Martin: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, 2., überarb. und erw. Auflg., Band I, Bonn 1995, S. 234-240.