Adresse des Gedenkortes
Kohnsteinweg 20
99734 Nordhausen
Bundesrepublik Deutschland
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Nordhausen, KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Gedenkplatte für Sinti und Roma im ehemaligen KZ Mittelbau-Dora.

Inschrift

1. Gedenkplatte:
"Zum Gedenken an die Sinti und Roma, die zwischen 1933 und 1945 dem Völkermord zum Opfer fielen."

Darunter befindet sich dieselbe Inschrift in Romanes und Englisch.

2. Gedenkplatte:
"Albaner Algerier Belgier Bosnier Briten Bulgaren Dänen Deutsche Esten Finnen Franzosen Griechen Inder Iraner Italiener Juden Jugoslawen Kroaten Letten Liechtensteiner Litauer Luxemburger Marokkaner Mexikaner Montenegriner Niederländer Norweger Österreicher Polen Portugiesen Roma Rumänen Russen Schweden Schweizer Serben Sinti Slowaken Slowenen Spanier Staatenlose Tschechen Türken Tunesier Ukrainer Ungarn US-Amerikaner Weißrussen"

3. Gedenkschrift:
"Sinti und Roma"


Beschreibung

Die beiden ersten Gedenkplatten mit oben genannter Inschrift befinden sich auf dem ehemaligen Appellplatz. Die dritte Gedenkschrift befindet sich auf einer niedrigen Mauer, die in sechs Abschnitte unterteilt den Appellplatz umgibt und die Namen von Opfergruppen und Ländern, denen die Häftlinge angehörten, aufführt.


Hintergrund

In der Ortschaft Dora im Raum Nordhausen im südlichen Harz in Thüringen errichteten die Nationalsozialisten im August 1943 ein Nebenlager des KZ Buchenwald. In den unterirdischen Stollen eines ehemaligen Gipsbergwerks sollten die als "V-Waffen" bekannt gewordenen Raketen im Schutz von alliierten Bombenangriffen gefertigt werden. Der ursprüngliche Produktionsort in Peenemünde war kurz zuvor zerstört worden. Ab Oktober 1944 wurde das Nebenlager Dora als eigenständiges KZ Mittelbau geführt. Insgesamt waren in Mittelbau-Dora ca. 60.000 Menschen inhaftiert, von denen über 10.000 die Befreiung durch amerikanische Soldaten im April 1945 nicht erlebten.

Am 28. August 1943 traf ein Kontingent von Häftlingen aus Buchenwald in Dora ein, um die Stollen des Bergwerks in riesige unterirdische Fabrikhallen umzubauen und mit der Raketenmontage zu beginnen. Die Lebensbedingungen und die zu leistende schwere Zwangsarbeit bei unzureichender Ernährung forderten zahlreiche Todesopfer. Die Häftlinge, deren Zahl im Februar 1944 auf 12.000 angestiegen war, mussten in den Stollen, in denen sanitäre Einrichtungen fehlten, übernachten. Das Arbeitstempo, zu dem sie angetrieben wurden, war mörderisch. Diejenigen Häftlinge, die als arbeitsunfähig eingestuft wurden, deportierten die Nationalsozialisten in andere Konzentrationslager oder direkt zur Vernichtung nach Lublin-Majdanek.

Tausende Sinti und Roma, die im so genannten "Zigeunerlager" in Auschwitz-Birkenau als arbeitsfähig selektiert worden waren, kamen über das KZ Buchenwald zur "Vernichtung durch Arbeit" nach Mittelbau-Dora. Viele von ihnen schickte die SS nach der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft zur Ermordung wieder nach Auschwitz zurück.

Nachdem im März 1945 wegen der herannahenden Front die Raketenproduktion eingestellt worden war, begann die SS das KZ Mittelbau-Dora zu evakuieren. Sie schickte die Häftlinge auf die "Todesmärsche", die meist nach Bergen-Belsen führten. Als amerikanische Truppen Anfang April in Dora eintrafen, fanden sie noch ca. 700 nicht transportfähige Häftlinge, die im Lager zurückgelassen worden waren.


Literatur

Endlich, Stefanie/Goldenbogen, Nora/u. a.: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band II, Bonn 1999, S. 859-866.