Adresse des Gedenkortes
Erinnerungsstraße 1
4310 Mauthausen
Österreich
Karte anzeigen

Mauthausen, KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Denkmal für die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallenen Sinti und Roma.

Vollansicht

Einweihung

09.05.1998


Inschrift

"In Ehrfurcht und Trauer gedenken wir Sinti und Roma unserer Kinder, Frauen und Männer, die im Konzentrationslager Mauthausen von der SS ermordet wurden. Noch kurz vor Kriegsende, am 9. März 1945, kamen in einem Transport aus Ravensbrück 450 Sinti- und Roma-Frauen mit ihren Kindern nach Mauthausen. Die Säuglinge und Kinder wurden sofort nach ihrer Ankunft ermordet. Wir gedenken unserer 500.000 Menschen, die im gesamten Einflussbereich des Nationalsozialismus Opfer des Völkermordes wurden. Im Mai 1998"


Initiator(en)

Kulturverein Österreichischer Roma, Zentralrat Deutscher Sinit und Roma in Heidelberg


Künstler

Markus & Josef Pillhofer

Josef Pillhofer:
geb.: 1921 in Wien
Der Österreichischer Bildhauer erhielt 1968 den Österreichischen Staatspreis.


Beschreibung

Das Denkmal steht zwischen den Mahnmalen des Staates Israel und der Bundesrepublik Deutschland oberhalb des ehemaligen Granitsteinbruchs "Wiener Graben". Als Element des Mahnmals symbolisiert eine 13 Meter lange Eisenbahnschiene die Deportationen der Sinti und Roma nach Mauthausen sowie die Transporte von dort in die anderen Konzentrations- und Vernichtungslager. Gedenkstelen tragen die Namen dieser Lager, die heute als Symbol des Völkermords an über 500 000 Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzten Europa stehen: Auschwitz, Chelmno, Buchenwald, Dachau, Bergen-Belsen, Ravensbrück, Sachsenhausen. Die Inschriften auf den beiden Granitsteinen des Mahnmals gedenken dieser ermordeten Menschen und insbesondere der noch im März 1945 von der SS in Mauthausen ermordeten Säuglinge und Kinder. Eine Plattform, von Stahl- und Glasplatten eingefasst, ragt über die Geländekante in den Mauthausener Steinbruch hinaus und lenkt den Blick des Betrachters auf die im Norden gelegene "Todesstiege", als Symbol für die Leiden der Häftlinge.


Entstehung

Seit Mai 1990 setzte sich der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gemeinsam mit dem Kulturverein österreichischer Roma für die Errichtung eines Mahnmals für Sinti und Roma in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ein. Diese Forderung wurde vom Beginn an vom Österreichischen und Internationalen Mauthausen-Komitee und von Simon Wiesenthal, dem Leiter des jüdischen Dokumentationszentrums in Wien, unterstützt. Im Juni stellte die Deutsche Bundesregierung dann Mittel für den Bau des Mahnmals zur Verfügung; im Februar 1995 stimmte die Österreichische Regierung der Errichtung des Mahnmals für die Sinti und Roma an dem vorgeschlagenen Standort zu und stellte dafür ebenfalls Finanzmittel bereit. Anlässlich der internationalen Gedenkfeier am 7. Mai 1995 zum 50. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers wies die Österreichische Regierung mit einer Informationstafel auf die geplante Errichtung des Mahnmals hin, und zahlreiche Besucher legten dort an diesem Jahrestag Blumen zur Erinnerung an die Holocaust-Opfer der Sinti und Roma nieder. Mit den Bauarbeiten wurde im Oktober 1997 begonnen, sodass das Mahnmal im April 1998 rechtzeitig vor der jährlichen Gedenkfeier Anfang Mai fertiggestellt werden konnte.


Hintergrund

Die Nationalsozialisten errichteten im August 1938 in der Nähe der oberösterreichischen Stadt Linz bei der Ortschaft Mauthausen ein Konzentrationslager. Es war das erste KZ außerhalb des so genannten "Altreichs". Bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen am 5. Mai 1945 kamen von den insgesamt etwa 200.000 inhaftierten Menschen fast die Hälfte ums Leben.

Im August 1938 trafen 300 Häftlinge aus dem KZ Dachau zum Bau des Konzentrationslagers in Mauthausen ein. Die Wahl des Standorts war nach Gesichtspunkten des Arbeitseinsatzes der Häftlinge erfolgt. Sie sollten in den benachbarten Granitsteinbrüchen für die SS-eigene Firma "Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH" Zwangsarbeit leisten. Zu den Häftlingen zählten politische Oppositionelle, Juden und Sinti und Roma. Geschätzte 500 Sinti und Roma waren in Mauthausen inhaftiert. Später kamen Tschechen hinzu und nach Kriegsbeginn vor allem Polen, aber auch Belgier, Franzosen, Jugoslawen und sowjetische Kriegsgefangene. Ab 1940 wurden auch Kinder und ab 1942 Frauen in das KZ Mauthausen eingeliefert. Für die Inhaftierten war Mauthausen ein Todeslager. Sie wurden in den Steinbrüchen systematisch ermordet. Berüchtigt war die so genannte "Todesstiege", auf der die Häftlinge schwere Granitbrocken hochschleppen mussten und die zahlreiche Todesopfer forderte. Im Frühjahr 1942 wurden zudem eine Gaskammer und ein Gaswagen in Betrieb genommen. Ab 1943 leisteten die meisten Häftlinge in Außenlagern und Außenkommandos Zwangsarbeit für die Kriegswirtschaft. Mauthausen unterstanden 49 Nebenlager, die über ganz Österreich an Standorten der Rüstungsproduktion verteilt waren.

Im Spätjahr 1944 führte die Evakuierung der frontnahen Konzentrationslager dazu, das sich die ohnehin schlechten Lebensbedingungen in Mauthausen katastrophal verschlechterten. Ab Januar 1945 trafen wöchentlich an die 9.000 Häftlinge aus dem Osten in Mauthausen ein, die ab März nur noch in Zelten untergebracht werden konnten. Kranke und ausgehungerte Häftlinge wurden einfach auf den ehemaligen Sportplatz der SS gelegt und sich selbst überlassen. Der Vernichtungswille der Nationalsozialisten blieb trotz des nahen Kriegsendes ungebrochen. In Mauthausen fanden am 28. April 1945 die letzten Morde des NS-Regimes in einer Gaskammer statt. Als amerikanische Truppen am 5. Mai das KZ befreiten, bot die große Zahl der herumliegenden Leichen und verhungernden Menschen den Soldaten ein Bild des Schreckens, das ihre Vorstellungskraft bei Weitem überstieg.

Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen wurde in ihren Grundzügen in den Jahren 1947 bis 1949 gestaltet; damit zählt sie zu den ältesten Gedenkstätten ihrer Art. Entwickelt wurde das damals realisierte Konzept von den Verbänden der Opfer des NS-Regimes in Zusammenarbeit mit Behörden und Politik. Wobei es der Staat von Anfang an den Verbänden übertrug, Anregungen für Gestaltung und Weiterentwicklung zu geben. Der Staat selbst beschränkte sich grundsätzlich auf die korrekte, ideologische wie religiös neutrale Verwaltung der Einrichtung. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die KZ-Gedenkstätte Mauthausen, in Ausgestaltung und dort geleisteter Arbeit, in hohem Maße den Vorstellungen der nationalen und internationalen Verbände der von der NS-Gewaltherrschaft Verfolgten gerecht wurde und wird, wenngleich sich das Verhältnis dieser Verbände zu den staatlichen Organen mitunter auch schwierig gestaltet hat. Auch nach einem halben Jahrhundert kann man die 1947 gewählte Gestaltung des Mahnmals durchaus gutheißen, wenngleich man heute manche Entscheidung vielleicht anders treffen würde.

Seit 1948 werden in der KZ Gedenkstätte Mauthausen Denkmäler, Gedenktafeln, Totenparten sowie verschiedenste Objekte von Staaten, nationalen oder anderen Gruppen, aber auch Einzelpersonen (etwa Hinterbliebene) angebracht. 20 nationale Denkmäler wurden auf dem Gelände des früheren SS-Lagers errichtet; dazu zählen auch Denkmäler besonderer nationaler Gruppen wie etwa jenes der republikanischen Spanier sowie Denkmäler inzwischen untergegangener Staaten wie die UdSSR, CSSR oder DDR. Dieser Denkmalbezirk im ehemaligen KZ Mauthausen ist in seiner Art einzigartig.