Adresse des Gedenkortes
97070 Würzburg
Bundesrepublik Deutschland
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Würzburg, Am Pleidenturm

Stolpersteine zum Gedenken an die Würzburger Opfer.

Vollansicht

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Einweihung

17.7.06 Anneliese, Karlheinz und Waldemar Winterstein
11.9.06 Rolanda Winterstein
13.4.07 Rudolf, Michael, Elisabeth, Hildegard, Walther, Helmuth, Wilhelmine und Anneliese Heumann
11.6.07 Franz Winterstein


Inschrift

Jeder Stolperstein ist mit dem Namen, Geburts- und Sterbedatum versehen.


Initiator(en)

Gunter Demnig & Paten


Künstler

Gunter Demnig

geb.: 1947 in Berlin

In Köln lebender Künstler, der besonders durch seine Aktion "Stolpersteine" bekannt geworden ist.


Beschreibung

Betonsteine mit verankerter Messingplatte; 10 x 10 x 10 cm. Schrift mit Schlagbuchstaben eingehämmert.


Hintergrund

Biografien der Opfer und die Standorte der Stolpersteine:

Am Pleidenturm 6

Heumann, Anneliese
geboren am 10.05.1934 in Würzburg
deportiert am 23.3.1944 nach Auschwitz, ermordet vermutlich 1944 in Auschwitz.

Heumann, Elisabeth
geboren am 08.08.1936 in Würzburg
deportiert am 23.3.1944 nach Auschwitz, ermordet vermutlich 1944 in Auschwitz.

Heumann, Helmuth
geboren am 28.09.1938 in Würzburg
deportiert vermutlich im April 1944 nach Auschwitz, ermordet 1944 in Auschwitz.

Heumann, Hildegard
geboren am 08.11.1939 in Würzburg
deportiert am 23.3.1944 nach Auschwitz, ermordet vermutlich 1944 in Auschwitz.

Heumann, Rudolf-Michael
geboren am 27.12.1940 in Würzburg
deportiert vermutlich im April 1944 nach Auschwitz, ermordet 1944 in Auschwitz.

Heumann, Walter
geboren am 24.09.1937 in Würzburg
deportiert vermutlich im April 1944 nach Auschwitz, ermordet 1944 in Auschwitz.

Heumann, Wilhelmine
geboren am 13.12.1915 in unbekannt
deportiert am 23.3.1944 nach Auschwitz, ermordet vermutlich 1944 in Auschwitz.

Wilhelmine Heumann und ihre sechs Kinder - der Ehemann und Vater Josef Heumann war 1941 verstorben. Wilhelmine wurde mit ihren drei Töchtern am 23.3.1944 nach Auschwitz deportiert. Das Deportationsdatum der drei Söhne ist nicht bekannt. Alle sind dort wohl kurz nach ihrer Einlieferung ermordet worden.


Am Pleidenturm 6

Winterstein, Anneliese
geboren am 25.02.1924 in Würzburg
deportiert am 5.4.1944 nach Auschwitz.

Anneliese Winterstein arbeitete als Wäscherin und Büglerin bei der Firma “Edelweiss”, Würzburg. Von ihren Arbeitgebern wurde sie angezeigt, weil sie ihren Arbeitsplatz unberechtigt verlassen habe. Sie selbst äußerte bei der Vernehmung durch die Gestapo dazu, dass sie entschuldigt gefehlt habe, weil sie ihrer Schwester zu Hause nach deren Entbindung beistehen musste. Vom 23.3.1943 bis 5.4.1943 verbüßte sie eine Haftstrafe wegen “pflichtwidrigen Fernbleibens von der Arbeit”. Am 11.2.1944 wurde sie erneut in “Vorbeugungshaft” genommen mit dem Ziel, sie in das Zigeunerlager Auschwitz abzuschieben. Zusammen mit ihren Söhnen, Karl-Heinz, vier Jahre und Waldemar, sieben Monate alt, wurde sie am 5.4.1944 nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie von der SS als Prostituierte für das Lager-Bordell bestimmt. Aus Scham und Verzweiflung beendete sie am 12.6.1944 ihr Leben. Sie lief in den elektrischen Zaun des Lagers.

Winterstein, Karl-Heinz
geboren am 25.06.1940 in Würzburg
deportiert am 5.4.1944 nach Auschwitz.

Winterstein, Waldemar
geboren am 27.09.1943 in Würzburg
deportiert am 5.4.1944 nach Auschwitz.


Mergentheimerstraße 12 1/2

Rolanda Winterstein
geboren am 03.03.1943 in Würzburg
ermordet am 11.4.1943 in der Universitäts-Klinik Würzburg.

Rolanda Winterstein und ihre Zwillingsschwester wurden am 3.3.1943 in Würzburg geboren. Die Mutter hatte die Zwillinge nur unter der Bedingung austragen dürfen, dass die Kinder nach der Geburt für Versuchszwecke im Rahmen der Zwillingsforschung des nationalsozialistischen Instituts für Erbbiologie und Rassenhygiene zur Verfügung gestellt wurden. Dies sollte angeblich die Eltern vor der Deportation in ein KZ bewahren. Vier Wochen nach der Geburt wurden die beiden Mädchen der Mutter weggenommen und in die Universitäts-Klinik Würzburg gebracht. Dort nahm Prof. Dr. Werner Heyde, Ordinarius für Psychiatrie und Neurologie, Direktor der Universitäts-Nervenklinik Würzburg, SS-Standartenführer und Leiter der medizinischen Abteilung der Euthanasie-Zentrale in Berlin, an ihnen die von dem Nazi-Regime angeordneten grausamen pseudowissenschaftlichen Experimente an eineiigen Zwillingen vor, die auch Josef Mengele in Auschwitz durchführte. Es handelte sich dabei unter anderem um Eingriffe am Gehirn, z.B. den irrwitzigen Versuch, durch Injektionen braune Augen in blaue umzufärben. Nach knapp einer Woche fragte die Mutter in der Klinik nach dem Verbleib ihrer Töchter. Das eine Mädchen fand sie noch lebend vor, Rolanda lag mit einem Kopfverband tot in einer Badewanne. Rolanda Winterstein war das jüngste Würzburger Opfer. Am 11.4.1943 verstarb sie an den Folgen der ihr zugefügten Verletzungen.


Glockengasse 1

Franz Winterstein
geboren am 10.04.1909 in Eusserthal, Krs.Bergzabern
erschossen am 9.7.1942 in Würzburg

Franz Winterstein war der dritte Sohn von Johanna Winterstein. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Korbmacher. Im Jahr 1941 leistete er seinen Wehrdienst bei der Artillerie-Ersatz-Abteilung 114 in Eger. Im März 1941 richtete ein Bediensteter der Gestapo Würzburg folgende Anfrage an die Reichskriminalpolizei in Berlin: "Auf Veranlassung der Wehrmacht bitte ich um Feststellung und Mitteilung über die rassische Einordnung des Wintersteins als Zigeuner oder Zigeunermischling." Die Antwort aus Berlin war: " .... verweise ich auf die .... 'Allgemeinen Heeresmitteilungen', herausgegeben vom Oberkommando des Heeres .... 1941 ...., nach der aus rassepolitischen Gründen Neueinstellungen von Zigeunern oder Zigeuner-Mischlingen in den aktiven Wehrdienst unzulässig und etwa noch im aktiven Wehrdienst stehende unverzüglich zu entlassen sind." Franz Winterstein wurde aus dem Wehrdienst entlassen. Am 9.7.1942 verhaftete ihn die Gestapo Würzburg. Er widersetzte sich und wollte fliehen - bei diesem Fluchtversuch wurde er von der Gestapo erschossen.


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