Adresse des Gedenkortes
Wildmanngasse (gegenüber dem Stadtmuseum)
9500 Villach
Österreich
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Villach, Wildmanngasse

"Denkmal der Namen" soll Anonymität aufheben.

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Quelle: Verein "Erinnern"

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Quelle: Verein "Erinnern"

Einweihung

24.09.1999


Inschrift

"ERINNERN"

"AN DIE OPFER DER NATIONALSOZIALISTISCHEN GEWALT"

+ Tafeln mit Namen der Opfer sowie ihrem Geburts- und Sterbejahr


Initiator(en)

Verein "Erinnern-Villach"
(Der Verein erforscht seit 1994 die Geschichte der Opfer aus Villach und ist dabei, sie zu dokumentieren.)


Künstler

Heinz Aichernig


Beschreibung

Der zentrale Teil ist eine Edelstahlkonstruktion, die durch die zwei oben genannten Inschriften geteilt wird. Von innen ist sie beleuchtet, sodass im austretenden Licht die Schriftzüge sichtbar werden. Auf durchsichtigen Glastafeln sind dann die Namen der Opfer mit ihrem Geburts- und Sterbejahr eingeätzt. Zusammen mit dem Stahlgerüst ergeben die Glastafeln ein Gitterraster, welches mit der sichtbar gebliebenen Mauer ein "hinter Gittern, an die Wand gestellt" symbolisiert, so wie es der Künstler beabsichtigte. Das Ganze wurde als offenes Denkmal konzipiert, sodass den bei der Einweihung bestehenden 64 Namen noch weitere Tafeln hinzugefügt werden können, wenn neue Forschungen weitere Namen zutage fördern sollten.
Mit der Benennung der Namen sollen die Opfer aus ihrer Anonymität gerissen werden, um ihre menschliche Würde und Identität wieder erlangen. Denn das war es, was ihnen unter anderem geraubt wurde, als man ihnen in den Vernichtungslagern lediglich Häftlingsnummern zuwies.

Bisher sind an Sinti-Namen bekannt und aufgeführt:

Anna Blach
Johann Held
Katharina Held
Rudolf Held
Olga Krems
Stefan Lichtenberger
August Link
Franz Link
Isabella Pachernik
Mathilde Pachernik
Melitta Pachernik
Adolf Seger
Alois Seger
Christine Seger
Emma Seger
Ewald Seger
Friedrich Seger
Johanna Seger
Leopold Seger
Martin Seger
Paul Seger
Peter Seger
Valentin Seger
Anna Taubmann
Florian Taubmann
Karl Taubmann
Kornelia Taubmann

Auf der Homepage des Vereins finden sich zusätzliche biografische Angaben zu den jeweiligen Personen!


Entstehung

Bis 2008 wurde das Denkmal seit seiner Einweihung im Jahr 1999 viermal erweitert. So dass sich derzeit 252 Namen auf der Gedenktafel befinden.


Hintergrund

1938 lebten in den Stadtgebieten von Villach zahlreiche Sinti und Roma. Die häufigsten Familiennamen, der Villacher Sinti waren dabei: Seger, Taubmann, Herzenberger, Blach, Lichtenberger und Held.
Im Oktober 1941 wurden 65 Personen, fast durchwegs Sinti aus dem Stadtteil Seebach, von der Villacher Kriminalpolizei verhaftet und in das Lager Lackenbach deportiert. Sie erhielten dort die Lagernummern 2453 bis 2517.
Am 18. November 1941 sind von der Kripo Klagenfurt 14 "Zigeuner" in das Lager Lackenbach überstellt worden. Sie erhielten die Lagernummern 2857 bis 2870.
Auch in den Seitentälern Kärntens wurden immer wieder "fahrende Zigeuner" aufgegriffen.
Insgesamt wurden also ca. 100 Personen dieser Volksgruppe ab 1938 verhaftet und in verschiedene Lager deportiert, um sie dort zu ermorden.
Über das weitere Schicksal der Kärntener Sinti und Roma ist dann nur wenig bekannt. Man weiß lediglich, dass am 4. und 7. November 1941 vom Lager Lackenbach aus jeweils 1.000 Personen nach Lodz deportiert worden sind. Dieses Ghetto überlebte niemand und man geht davon aus, dass der Großteil der Villacher Sinti darunter war.


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