Adresse des Gedenkortes
Herinneringscentrum Kamp Westerbork
Oosthalen 8
9414 TG Hooghalen
Niederlande
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Hooghalen, Oosthalen

Auf dem ehemaligen Appelplatz des Durchgangslagers Westerbork erinnern 102.000 Steine an die von dort aus deportierten Juden und Sinti und Roma.

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Erinnerungszentrum Lager Westerbork (Quelle: Andreas Pflock)

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Schlagbaum am ehemaligen Lagereingang (Quelle: Andreas Pflock)

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102.000 Steine auf dem ehemaligen Appellplatz (Quelle: Gedenkstätte Westerbork)

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Steine zur Erinnerung an die niederländischen Sinti und Roma (Quelle: Andreas Pflock)

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Gedenkfeier zur Erinnerung an die deportierten Sinti und Roma, 19. Mai 2007 (Quelle: Dokumentationszentrum)

Einweihung

16.06.1992


Beschreibung

Auf dem ehemaligen Appellplatz des Lagers stehen 102.000 symbolische Steine, die in Form des Staatsgebietes der Niederlande aufgestellt wurden und an die von diesem Ort aus deportierten Menschen erinnern. Davidsterne auf den Steinen symbolisieren die jüdischen Opfer, Flammen die deportierten Sinti und Roma und Steine ohne Symbol die von Westerbork aus verschleppten Widerstandskämpfer. Die aufgestellten Steine vermitteln einen bewegenden Eindruck von der Dimension menschlicher Schicksale im Angesicht der Deportation.



Entstehung

Bei den Planungen zur Umgestaltung des ehemaligen Lagergeländes Anfang der 1990er Jahre bemühten sich ehemalige Häftlinge in Absprache mit den Plänen des Erinnerungszentrums um die Durchführung und Finanzierung eines Projektes zur Gestaltung des früheren Appellplatzes. Der neu gestaltete ehemalige Appellplatz konnte am 16. Juni 1992 eingeweiht werden und ist seitdem neben dem Nationalen Denkmal ein wichtiger Gedenkort auf dem Lagergelände.


Hintergrund

Im Jahr 1939 beschloss die niederländische Regierung den Bau eines Aufnahmelagers für aus dem Deutschen Reich geflohenen Juden. Am 9. Oktober 1939 traf in diesem bei Westerbork in der Provinz Drenthe errichteten "Zentralen Flüchtlingslager" eine erste Gruppe mit 22 deutschen Juden ein. Am Tag des deutschen Überfalls, dem 10. Mai 1940, befanden sich rund 700 Menschen im Lager.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die Niederlande fiel Ende 1941 die Entscheidung, im Lager Westerbork das zentrale Sammellager für die bevorstehende Deportation der niederländischen Juden einzurichten. In Folge dieser Planungen wurde das Lager am 1. Juli 1942 dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (BdS) unterstellt und formal in ein "Polizeiliches Judendurchgangslager" umgewandelt.

Der erste Deportationszug verließ Westerbork am 15. Juli 1942. Das Ziel war Auschwitz. Zwei Jahre lang trafen die Deportationszüge nach einem festen Fahrplan oftmals montags im Lager ein, um am Dienstagmorgen mit neuen Opfern wieder in Richtung Osten abzufahren. Insgesamt verließen vom 15. Juli 1942 bis zum 13. September 1944 rund einhundert Transporte das Lager. Mehr als 100.000 Juden und eine Gruppe von 245 Sinti und Roma wurden dabei deportiert.

Am 13. September 1944 verließ der letzte Transport mit 279 Menschen das Lager in Richtung Bergen-Belsen. Wenige Tage zuvor, am 3. September, war Anne Frank mit ihrer Familie von Westerbork aus nach Auschwitz deportiert worden. Nach dem Ende der Transporte befanden sich noch rund 500 jüdische Gefangene im Lager. Am 12. April erreichten kanadischen Soldaten das Lagertor und befreiten die Häftlinge.


Linkhinweise

Herinneringscentrum Kamp Westerbork: http://www.westerbork.nl

Informationen zum Lager und zur Gedenkstätte Westerbork: http://www.gedenken-in-benelux.de

Sinti en Roma Centrum Best: http://www.sintienroma.nl


Literatur

Pflock, Andreas: Am anderen Ende der Rampe von Auschwitz - Polizeiliches Durchgangslager Westerbork, in: Ders.: Auf vergessenen Spuren. Ein Wegweiser zu Gedenkstätten in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg Bonn 2006.

Schwarz, Fred: Züge auf falschem Gleis, Wien 1998.

Wagenaar, Aad: Settela. Het meisje heeft haar naam terug, Hilversum 2007.