Adresse des Gedenkortes
Burgsteigerberg
5122 Hochburg-Ach
Österreich
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Hochburg-Ach, Burgsteigerberg

In Erinnerung an die Sinti Familie Kerndlbacher.

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Quelle: Gemeinde Hochburg Ach

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Quelle: Gemeinde Hochburg Ach

Einweihung

2004


Inschrift

Gedenktafel:
"Der unselige Rassenwahn des NS Regmies mit seiner Unterteilung der Menschen in 'Arier' und 'minderwertige Rassen', wie zum Beispiel Osteuropäer, Zigeuner, Juden etc., forderte auch in Hochburg-Ach seine Opfer.

Die Familie Kerndlbacher gehörte zu den 'Sinti' (Stamm der Zigeuner) und lebte vor allem im Winter im so genannten 'Zigeunerhaus' in Holzgassen sowie bei verschiedenen Bauern der Umgebung. Während des Sommers zogen die meisten Familienmitglieder durchs Land und verdienten sich ihr Geld mit Pferdehandel, Messer- und Scherenschleiferei, dem Flicken von Regenschirmen oder dem Musizieren in Gasthäusern. Teilweise standen sie in der Bevölkerung nicht besonders gut angesehen da, denn ihnen wurde auch der Diebstahl vor allem von Hühnern nachgesagt. Andererseits waren sie als Pferdespezialisten hoch geschätzt und auch der Hochburger Graf ließ sich beispielsweise von ihnen beim Pferdekauf beraten.

Die Kerndlbacher wurden zum Teil in Hochburg getauft, der erste diesbezügliche Eintrag in den hiesigen Taufmatrikeln stammt aus dem Jahre 1765. Die Kinder der Kerndlbacher gingen, solange sie in der Gemeinde verweilten, in Ach in die Volksschule. Ebenso besaßen nicht wenige Kerndlbacher in Hochburg-Ach das Heimatrecht. Wie viele andere Hochburg-Acher auch mussten sie im 1. Weltkrieg 'für Kaiser und Vaterland' zum Militär einrücken.

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1938 durften die 'Zigeuner' in der ganzen 'Ostmark' ihren momentanen Aufenthaltsort nicht mehr verlassen und wurden schließlich in spezielle Lager gebracht. Nur einer konnte sich beim Abtransport aus Hochburg-Ach durch einen Sprung vom Lastwagen retten und versteckte sich im 'Tiefen Tal'. Die meisten Mitglieder der Familie Kerndlbacher kamen in das Lager Maxglan/Salzburg, wo sie teilweise als Statisten für einen Film von Leni Riefenstahl verwendet wurden und Entwässerungsarbeiten an der Glan durchführen mussten.

Im Oktober 1941 brachte man die Lagerinsassen nach Lackenbach (Burgenland), von wo aus sie einen Monat später zur Vernichtung in Ghetto Lodz und ins KZ Chelmno (Polen) gebracht wurden. Von den rund 300 Mitgliedern der weitverzweigten Familie Kerndlbacher überlebten nur 3 Personen. Das letzte lebende Mitglied der Familie Kerndlbacher, Frau Rosa Winter-Kerndlbacher, Jahrgang 1923, 'zuständig' nach Hochburg-Ach, lebt heute in Enns. Sie überlebte das KZ Ravensbrück, verlor aber ihre Eltern sowie alle 11 Geschwister."

Stolperstein:
"Hier lebte Johann Kerndlbacher
Sinto
Jg. 1895
Lager Weyer
Deportiert. Lodz
Tot 7.1.1942"


Initiator(en)

Peter Lechner (Schmied aus Hochburg-Ach, der sich aus seiner Kindheit noch an die Familie Kerndlbacher erinnern kann)


Künstler

Peter Lechner

Kunstschmied und Metallbildhauer


Beschreibung

Das Denkmal wurde am Burgsteigerberg unweit des ehemaligen Wohnhauses der Fam. Kerndlbacher aufgestellt. Zudem befindet sich auf dem Friedhof in Ach das Grab des Musikers Robert Kerndlbacher. Am 12.08.2006 wurde vor dem ehemaligen Wohnhaus der Sinti-Familie ein Stolperstein verlegt.